Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
der Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit, um innezuhalten, das vergangene Jahr zu reflektieren und das neue Jahr mit Motivation zu starten. Für mich ist jedes zu Ende gehende Jahr eine Zeit der Besinnung - eine Zeit, um alte Gedanken und Überzeugungen loszulassen und alte Verletzungen zu verzeihen. Ich rufe mir dann Folgendes ins Gedächtnis: Was auch immer in den vergangenen zwölf Monaten geschehen ist, das neue Jahr bringt neue Anfänge. Aufregende neue Erfahrungen warten auf mich. Und auf Sie auch, da bin ich mir ganz sicher.
Beim Sinnieren habe ich mich bei der Frage ertappt, was ich denn eigentlich vom Jahr 2026 erwarte. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Frage so gar nicht meinem Naturell als aktiver und selbstbestimmter Mensch und Politiker entspricht. Wenn ich etwas erwarte, dann heißt das nichts anderes, als dass ich eine passive Rolle einnehme. Ich warte darauf, dass bei mir und mit mir etwas geschieht. Das hat mir nicht gefallen. Viel wichtiger scheint es mir, die Frage an uns selbst zu richten, was erwarten wir von UNS im Jahr 2026? Was erwarte ich von mir in diesem neuen Jahr? Schicksalsergebenheit doch wohl ganz sicher nicht. Auch nicht Fatalismus oder Passivität. Ja, vieles hat sich verändert. Unsere Demokratie ist gefährdeter denn je. Aber mit Verlaub: Wir haben es in der Hand, sie zu schützen.
Nach den Wahlerfolgen der AfD in Sachsen und Thüringen wurden die Stimmen immer lauter, die AfD solle jetzt regieren, obwohl der Bundesverfassungsschutz die Partei als rechtsextremistischen „Verdachtsfall“ eingestuft hat. Da überläuft es mich eiskalt. Dann denke ich, dass da einigen nicht klar ist, was auf dem Spiel steht, nämlich alles. Gerade in Bezug auf Björn Höcke seien Sie gewarnt. Ein Faschist, der demokratisch gewählt ist, wird dadurch nicht zum Demokraten. Meine Damen und Herren, die Demokratie ist kein Projekt von „denen da oben“, sondern unser aller Projekt. Demokratie heißt nicht nur meckern, unzufrieden sein, Wut ablassen und andere kritisieren. Demokratie heißt gestalten, mitmachen, sich beteiligen. Und Demokratie ist vor allem eines: Freiheit. Meinungen frei äußern zu können, wenn auch kritisch, und nicht von der Polizei abgeholt zu werden, das ist Freiheit.
Wissen Sie, was für mich das Schlimmste ist? Dass sich empörte selbst ernannte Wutbürger in diesem Land vor eine Kamera stellen dürfen und voller Überzeugung sagen können: „Wir leben nicht in einer Demokratie“ - und dass sie dann nicht mal merken, dass sie diesen Satz niemals sagen dürften, wenn sie recht hätten. Eines bekenne ich hier in aller Deutlichkeit - für mich gilt in Anlehnung an ein berühmtes Zitat des französischen Philosophen Voltaire der Satz: „Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.“ Ich stehe zu Voltaire, ich habe Haltung. Deswegen halte ich auch die oben erwähnten Wutmenschen aus. Was nicht heißt, dass ich mit meiner Meinung zu deren Ansichten hinter dem Berg halte.
„Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ Viele kennen diese Worte aus Rosa Luxemburgs berühmtester Schrift „Die Russische Revolution“. Dazu stehe ich als Mensch, als Demokrat, als Bürgermeister. Politische Freiheit ist gerade deshalb so besonders wichtig, weil Menschen erst durch sie die Möglichkeit bekommen, Erfahrungen zu machen und aus diesen Erfahrungen für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft auf der Basis unseres Grundgesetzes einzustehen. Freiheit ist eine wichtige und unverzichtbare Voraussetzung für die erfolgreiche Existenz einer Demokratie. Unserer Demokratie.
Wenn ich in die weite Welt schaue, dann tue ich das mit Sorge. Dabei muss ich gar nicht mehr nur nach Russland, China oder in die Vereinigten Staaten schauen. Ich blicke mich in Europa um und stelle fest, dass die Krise der Demokratie auch hier angekommen ist und angesichts der globalen Entwicklung mit zunehmenden diktatorischen und demokratieuntergrabenden Regimes eine große Herausforderung bleibt. Einmal mehr müssen wir uns Gedanken machen, wie wir diesen fatalen Entwicklungen entgegentreten wollen. Wir können nicht einfach abwarten, bis sich der Wind dreht. Wir müssen zeigen, dass wir willens sind, unser wertvolles Gut einer demokratischen und freiheitlichen Staatsform zu schützen und zu stärken.
Am Volkstrauertag machen wir uns immer wieder bewusst, was Krieg anrichten kann. Im Gottesdienst zum Volkstrauertag haben wir in der Kirche in Oberwaldbehrungen das Lied „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“ gesungen. Dies Lied geht auf ein Friedensgedicht von Ernst Moritz Arndt von 1837 zurück. 1963 schrieb es Jan Nooter in ein niederländisches Kirchenlied um. In der Friedensbewegung der DDR spielte die 1980 von Jürgen Henkys ins Deutsche übertragene Fassung eine nicht unwichtige Rolle.
Mir wurde bewusst, wie aktuell der Text ist, obwohl er schon vor sehr langer Zeit geschrieben wurde. Er lautet:
Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf.
Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf.
Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt.
Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.
Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr.
Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr.
Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.
Hilf, wenn wir weichen wollen, und lass uns nicht allein.
Gib Frieden, Herr, wir bitten! Du selbst bist, was uns fehlt.
Du hast für uns gelitten, hast unsern Streit erwählt,
damit wir leben könnten, in Ängsten und doch frei,
und jedem Freude gönnten, wie feind er uns auch sei.
Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt
hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt!
Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt,
und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.
Aber, meine Damen und Herren, lassen Sie uns heute auch auf die schönen Dinge des Lebens, die uns so nahe sind, schauen und in erster Linie mit positiven Gedanken ins neue Jahr starten. Ich blicke freudig auf das vergangene Jahr zurück und denke dabei an sehr viele Ereignisse, zu denen Menschen fröhlich und friedvoll zusammengekommen sind, um zu feiern. Das Frühlingsfest, das Stadtfest oder der Adventsmarkt sind nur ein paar Veranstaltungen, ich könnte noch viele weitere aufzählen. An dieser Stelle sei allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern hier in Ostheim, Urspringen und Oberwaldbehrungen, die sich im vergangenen Jahr im Vereinsleben und auch anderweitig beherzt engagiert haben, vielmals gedankt. Bitte bleiben Sie alle weiterhin so aktiv. Sie sind ein echter Gewinn für unser gesellschaftliches Zusammenleben.
Des Weiteren möchte ich an dieser Stelle auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, des Bauhofs, des Kommunalunternehmens, des Wasserzweckverbandes, der Kindergärten, der Schulen sowie der weiteren Einrichtungen meinen tiefsten Dank für die geleistete Arbeit des vergangenen Jahres aussprechen. Oberhaupt eines so reibungslos funktionierenden Teams zu sein, erfüllt mich mit Dankbarkeit und großem Stolz.
Stolz schaue ich auch auf das, was in Ostheim im vergangenen Jahr alles erreicht wurde. Projekte konnten voranschreiten, wiederum andere konnten abgeschlossen werden. Gerne gebe ich einen kleinen Einblick in die bedeutendsten Ereignisse:
Ein großes Stück der Sanierungsarbeiten der Markthalle und des Schlösschens liegen bereits hinter uns, wenngleich auch noch viel bis zur Fertigstellung zu tun ist. Die Entkernungsarbeiten im Gebäude konnten Anfang bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden. Nun geht es an den Ausbau der Markthalle. Im Moment steht die Gestaltung des Außenbereichs, insbesondere die Pflasterarbeiten im Vordergrund. Wir sind jedoch absolut im Zeitplan und ich bin guter Dinge, dass die Bauarbeiten pünktlich abgeschlossen und die Räumlichkeiten in Betrieb genommen werden können.
Ein ganz erfreuliches Ereignis im vergangenen Jahr war, dass das Ostheimer Hallenbad weiter geöffnet bleiben kann. Mit Ute Schultheis konnten wir glücklicherweise rechtzeitig eine Bademeisterin einstellen, sodass der Badebetrieb und die Öffnungszeiten beinahe unverändert geblieben sind.
Erfreulicherweise gab es in Ostheim 2025 auch wieder einige Geschäftseröffnungen. Tinos Dance World konnte in Ostheim eine Niederlassung eröffnen. Zudem haben sich die Firmen Halfbird und Gossip in der Marktstraße niedergelassen. Damit streben wir weiterhin an, dass die Ostheimer Altstadt nicht ausstirbt und Leerständen entgegengewirkt wird.
Auch das Projekt „Ostheimer Waldkindergarten“ konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Im Sommer dieses Jahres wurde der naturnahe Kindergarten unterhalb der Lichtenburg eingeweiht und in Betrieb genommen. Mit der Niederlassung eines Waldkindergartens konnte eine perfekte Ergänzung zu den bereits vorhandenen Kindertageseinrichtungen geschaffen werden.
Ein wahrscheinlich einmaliges Erlebnis war die Ausrichtung des Unterfränkischen Volksmusikfestes im September. Die Stadt Ostheim durfte Gastgeber und Bühne für diese tolle Veranstaltung sein. Bei besten Wetterbedingungen kamen Liebhaber von Trachtentanz, fränkischer Mundart und Handwerkskunst aus der Region, aber auch von weit her, voll auf ihre Kosten.
Ein weiteres Highlight war die große BR-Radl-Tour im August. Trotz des regnerischen Wetters waren tausende Teilnehmer bestens ausgerüstet am Start, mich eingeschlossen. Nach einem warm-up und dem Start in Bad Neustadt war erstes Etappenziel Ostheim. Ein echter Gänsehautmoment. Die Innenstadt war kurzzeitig ein Meer aus Fahrrädern und begeisterter Radlerinnen und Radler. Bestens versorgt und gut gestärkt ging es danach auf zur nächsten Etappe.
Zur Verstärkung unseres Bauhof-Teams konnte zum 1. September erstmalig ein Auszubildender zum Straßenwärter eingestellt werden, worüber ich mich sehr freue. Es ist mir wichtig, dass gerade im handwerklichen Bereich Nachwuchskräfte herangezogen werden.
Meine Damen und Herren, Sie sehen, es hat sich im vergangenen Jahr viel in Ostheim getan. Doch natürlich gilt es auch im Jahr 2026 alle Anstrengungen zu unternehmen, noch laufende Vorhaben weiter voranzubringen und Neues anzupacken. Bevor ich nun langsam zum Ende komme, lassen Sie uns noch kurz auf ein paar Ereignisse schauen, die uns 2026 erwarten.
Ein ziemlich großer Stein ist mir vom Herzen gefallen, als ich vor ein paar Wochen endlich die überaus gute Nachricht verbreiten konnte, dass es nach langer Suche für die Hausarztpraxis von Herrn Dr. Wolfgang Schneider eine Nachfolge geben wird. Ab 1. Januar 2026 wird Frau Dr. Anne-Katrin Wolf die Praxis - vorerst in den Räumlichkeiten an der Moritzmühle - übernehmen. Im Laufe des nächsten Jahres wird dann in der Friedenstraße eine neue Praxis entstehen.
Im Oktober 2026 heißt es wieder: Bühne frei für den Wurstmarkt in Ostheim. Ich freue ich schon jetzt sehr auf dieses Highlight, das am 10. und 11. Oktober stattfinden wird. Besonders freue ich mich, dass unser Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Herr Alois Rainer, die Schirmherrschaft für den 13. Rhöner Wurstmarkt übernehmen wird.
Ein weiteres ganz wichtiges Ereignis für mich persönlich ist die anstehende Kommunalwahl am 8. März 2026. Dankbar darf ich bereits auf sechs Bürgermeisterjahre zurückblicken, die ich gemeinsam mit meinen Stadträtinnen und Stadträten - wie ich finde - erfolgreich gemeistert habe. An dieser Stelle ist es mir auch noch einmal wichtig zu betonen, dass wir im Stadtrat völlig parteiunabhängig und als Team funktionieren. Jedes einzelne Stadtratsmitglied sieht sich als Multiplikator und wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, alles in den Stadtratssitzungen Beschlossene auch dementsprechend an die Bürgerschaft zu transportieren. Für eine weitere Amtsperiode bin ich jedenfalls bereit und besitze hierfür unverändert ausreichend Energie. Zudem habe ich noch ganz viele Ideen in meinem Kopf, die ich sehr gerne umsetzen würde. Daher wäre es für mich eine große Ehre, ein weiteres Mal das Amt des Ersten Bürgermeisters in Ostheim bekleiden zu dürfen.
Meine verehrten Damen und Herren, 2026 liegt vor uns. Lassen Sie uns gemeinsam mit Optimismus und Tatkraft in das kommende Jahr starten - für ein lebendiges, starkes und herzliches Miteinander. Ich persönlich möchte Ihnen mit gutem Beispiel vorangehen und blicke freudig auf das, was vor uns liegt, auch wenn vieles davon ungewiss ist. Nicht alles liegt in unseren Händen, aber wie heißt es so schön: „Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“. Also lassen Sie es uns gemeinsam anpacken!
Nun wünsche ich Ihnen jedoch erst einmal, dass Ihnen die Zeit rund um den Jahreswechsel Ruhe, Freude und wertvolle Momente im Kreise Ihrer Familien und Freunde schenkt. Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen Gesundheit, Zuversicht und die Kraft, neue Chancen mutig zu ergreifen.
Herzlichst
Ihr Steffen Malzer
Erster Bürgermeister
